Gastro-Kritik zum "Roecklplatz"

Lernen auf hohem Niveau ergibt zufriedene Gäste

von Achim Manthey

Ausbildungsprojekt mit Biergarten (Foto: Achim Manthey)

Die üblichen Feinschmecker-Maßstäbe kann man an das Lokal eigentlich nicht anlegen. Aber sie wollen es nicht anders. Ein Ausbildungsrestaurant mit hohen Ansprüchen etabliert sich in München.

Da schmiegt sich ein kleiner, lauschiger Platz in die Ludwigsvorstadt, fast an der Grenze zu Sendling. An seiner südlichen Seite, zur Isartalstraße hin, befindet sich das Restaurant "Roecklplatz". Einen Biergarten gibt's auch. Das Lokal ist modern eingerichtet, große Außenfenster lassen Licht in den Raum, illuminierte Buchstaben an den Wänden tauchen den Saal abends in angenehme Atmosphäre.

Das "Roecklplatz" ist ein 2008  gegründetes soziales Projekt, mit dem Ziel, jungen Menschen mit schwierigem Lebenshintergrund eine fundierte Ausbildung in der Gastronomie anzubieten. Zehn Ausbildungsplätze in Küche und Service werden angeboten. Den Ausbilderinnen stehen sozialpädagogische Kräfte zur Seite, um den Auszubildenden bei schulischen, aber auch privaten Problemen zur Seite zu stehen. Teamarbeit steht im Vordergrund, das Lokal wird gemeinsam geführt, auch die Jungen haben gleichwertiges Mitspracherecht. Obwohl es nicht einfach war, schaffte es der erste Ausbildungslehrgang im Herbst 2011. Die jungen Leute sind alle in Gastronomiestellen untergekommen. Nun ist also der zweite Jahrgang am Zug.

Sandra Forster, die Küchenchefin, die eher von der veganen Seite kommt und mit mehreren Lokalen in München schon einigen Erfolg hatte, ist ambitioniert. Gehobene Küche in ansprechendem Ambiente bietet sie an, was vom bunt gemischten Publikum angenommen wird. Am Abend unseres Besuchs war der Laden voll.

Und Speis' und Trank? Der Grüne Veltliner von Wimmer Czerny (4,70 Euro) ist frisch und süffig. Noch besser gefiel der Weißburgunder vom Weingut Sauter (6,20 Euro), ausgewogen mit dezenter Frucht. Ein Cote du Rhone der Domaine Jean David mit 9,80 Euro pro 0,2-Glas erscheint allerdings im Preisvöllig überzogen und ließ die Blume in Bitterkeit verwelken. Da ist man mit dem Zweigelt Portugieser, einer sehr süffigen Cuveè für 4,70 Euro, bestens bedient.

Was aus der Küche kommt, überzeugt mit Einschränkungen. Die Wachtelessenz mit pochiertem Wachtelei (5 Euro) war eindeutig verwürzt und schmeckte - sorry, hier soll nichts unterstellt werden - nach massivem Brühwürfel-Einsatz. Das Ei war eher erschreckt als pochiert. Aber das waren die einzigen Ausreißer. Die Tagliatelle mit Kalbsragout, Frühlingsgemüse, Parmesan und Ofentomaten (10,50 Euro) waren hervorragend abgeschmeckt und mundeten köstlich. Auch das Rinderfilet vom Lavastein (22,80 Euro), en bleu bestellt, kam so bleu auf den Tisch, dass es die reine Freude war. Dazu gab es eine Preiselbeer-Senf-Marinade, in der man ertrinken möchte. Die hausgemachten Pommes frites mit selbst zubereiteter Majonaise als Beilage waren lecker, hätten aber etwas mehr Biss haben können.

Die Desserts aus dem Weckglas (3,50 Euro) bieten Überraschungen. Die Buttermilch-Erdbeer-Panna Cotta blieb etwas blass, war aber ebenso fein wie die dunkle Schokoladen-Mousse.

Wer mehr mag, für den werden zwei- bis viergängige Menus zu Preisen zwischen 21 und 32 Euro angeboten, von denen die einzelnen Gänge auch solo bestellt werden können.

Das alles wird serviert vom freundlichen, diskret-aufmerksamen und entspannten Personal. Dass die jungen Leute erst seit wenigen Monaten in der Ausbildung sind, war bei unserem Besuch nicht zu bemerken. Das hat alles viel Spaß gemacht. Wir kommen gerne wieder.

"Roecklplatz", Isartalstraße 26 in München, geöffnet Mo-Sa 17.30 - 1.00 Uhr, Tel. 089-45217129, www.roecklplatz.de

 

 

 

 

Veröffentlicht am: 13.06.2012

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