"Die Ehrlich Brothers" über ihren Auftritt im Circus Krone

Dem Copperfield keinen Trick verkaufen - das ist Zauberei

von Gabriella Lorenz

Das magische Duo, "Die Ehrlich Brothers". Foto: Rainer Droese

Können zwei Illusionskünstler schöner heißen als „Die Ehrlich Brothers“? Der Name passt so ironisch, dass man ihn fast für echt halten möchte. Ist er leider nicht. Brüder sind Andreas (35) und Chris (31) aber tatsächlich. Sie sind derzeit auf dem bestem Weg in die erste Liga der internationalen Zauberer. Denn - und das ist wahr - David Copperfield wollte ihnen bereits einen ihrer Tricks abkaufen. Sie behielten ihn lieber exklusiv für sich. Am Sonntag zeigen die Ehrlich Brothers im Circus Krone ihre spektakuläre Show „Magie - Träume erleben“. Da verbiegen sie Bahnschienen zu Herzen, entfesseln Schneestürme, verwandeln Geldscheine und lassen aus einem Samenkorn ein Bäumchen wachsen.

Die Leidenschaft für die Magie hat sie schon als Kinder gepackt. Andreas sah einen Zauberer und wollte das unbedingt auch können. Er bekam einen Zauberkasten geschenkt, fing an zu üben und Tricks zu erlernen. „Es war wie eine Sucht“, bekennt er. Den kleinen Bruder spannte er als Gehilfen ein - etwa als schwebende Jungfrau. Nicht immer zu Chris' Freude. Ihr wichtigster Assistent und Förderer war ihr Vater: Der Werkzeugmacher baute ihnen in seiner Werkstatt alle Requisiten. „Von ihm haben wir gelernt: Eins und eins ist mehr als zwei“, sagt Andreas. „Papa war ein Bastler, und wir haben das Bastler-Gen geerbt. Er hat uns alles beigebracht.“

Mit diesem Know-How fertigen sie auch heute alle technischen Installationen selbst in der eigenen Werkstatt. Die Mutter nähte die Kostüme und fuhr sie oft zu Auftritten. Schon mit elf nahm Andreas an Jugendmeisterschaften teil. „Wir haben von unseren Eltern kein Geld bekommen, aber viel Zeit, Liebe und Unterstützung“, schwärmt er.

Andreas studierte Mathematik, die Zauberei blieb Hobby. Erst als ihm ein Augenarzt nach einem Auftritt sagte, „das müsst ihr hauptberuflich machen“, entschied er sich mit 22, Mathe an den Nagel zu hängen: „Chris war immer der Mutigere - er hat gesagt: Wir probieren es einfach.“ Es folgten erste bezahlte Auftritte, sie arbeiteten im Stillen, entwickelten neue Tricks. Chris ist der Pyrotechniker. „Wir entwickeln unsere ganzen Ideen selbst, produzieren sie selbst und führen sie selbst auf", erklärt er. „Darauf sind wir stolz - selbst David Copperfield kauft Tricks ein. Er war der Held unserer Jugend. Er hat tatsächlich bei uns angerufen, um uns einen Trick abzukaufen. Da dachten wir, wenn der so gut ist, dass Copperfield ihn haben will, können wir's auch selber machen.“

Auch sonst machen sie alles selbst: Verwaltung, Planung, Management, Finanzierung. Sie organisieren ihre Tourneen mit bis zu drei Shows am Tag, mieten die Räume und bezahlen ihre Crew von 25 Leuten aus eigener Tasche. Das kostet viel, Flops kann man sich da nicht leisten. Auf Tourneen führen sie ein Fernfahrerleben, spielen fünf bis sieben Tage ensuite und verbringen dann ein bis drei Tage zu Hause. Das ist immer noch das heimische Bünde bei Bielefeld, da steht ihre Werkstatt, Andreas lebt hier mit Frau und drei Kindern. Chris wohnt im etwas entfernteren Enger.

Zu Beginn ihrer „Magie“-Show materialisieren sie sich aus einem großen I-Pad heraus auf der Bühne. „Große Ideen schüttelt man nicht aus dem Ärmel, die muss man lange entwickeln“, erklärt Chris. „Wir sind bodenständig und fleißig. Unser Erfolgsgeheimnis ist die totale Hingabe an die Kunst. Wir machen alles mit vollem Einsatz. Und wir haben immer den Anspruch, die Leute zu erstaunen und zu verzaubern.“ Uri Gellers verbogene Gabeln brachten sie auf die Idee, dasselbe mit Bahnschienen (die liefert ihnen Thyssen-Krupp) zu versuchen. Über das Ergebnis staunte auch Uri Geller. Zum Dank schenkten sie ihm eine verbogene Schiene, die steht jetzt in seinem Garten.

Trotz aller Professionalität, schiefgehen kann immer was: Einmal riss ein Kettenglied, Chris stürzte zweieinhalb Meter ab und brach sich zwei Rippen. Aber die Show musste weitergehen. Im Gespräch sprühen sie vor Charme und Witz, lassen sich auch aus 20 Zentimeter Entfernung auf die Finger gucken. Aber man sieht trotzdem nicht, wie eine Münze auf dem Tisch in die Hand von Andreas unterm Tisch gelangt. Oder wie sich der 5-Euro-Schein aus dem eigenen Geldbeutel, den Chris zusammenfaltet und kurz anhaucht, sich beim Entfalten in einen 50-Euro-Schein verwandelt hat. Schon magisch, ehrlich.

Circus Krone, Sonntag, 8.12.2013, 19 Uhr.

Veröffentlicht am: 08.12.2013

Über den Autor

Gabriella Lorenz

Gabriella Lorenz ist seit 2010 Mitarbeiterin des Kulturvollzug.

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