Schauspieler Walter Sedlmayr wäre jetzt 90 Jahre alt

Der Paradebayer

von Karl Stankiewitz

Grab der Familie Sedlmayr auf dem Bogenhausener Friedhof. Foto: Reinhardhauke / Wikipedia

Neunzig Jahre eines unsteten Lebens voll scheinbarer Erfolge lägen jetzt hinter ihm. Ein Vierteljahrhundert lang gehörte er zum Ensemble der Münchner Kammerspiele. Aber nie hatte er eine tragende Rolle bekommen. Eigentlich war er auch gar nicht beliebt unter seinen Kollegen. Ihnen war der füllige, oft herumnörgelnde, etwas verklemmte, am 6. Januar 1926 in München geborene Kleindarsteller, der es gerade mal zum Zuhälter in der „Dreigroschenoper“ und zu Nebenrollen im Heimatfilm brachte, immer ein bisschen zu patzig, wohl auch zu hinterfotzig. Dass ihn jedoch eben diese Eigenschaften einmal zum Star machen sollten, konnte damals niemand ahnen.

Wirklich bekannt machte den Schauspieler erst einmal ein Kriminalfall – ein zweiter sollte seine Karriere und sein Leben beschließen: Im April 1971 wurde die berühmte Blutenburger Madonna aus einer Kirche gestohlen. Die Polizei fand sie schließlich in einem Haus in Feldmoching, das Sedlmayr mit seiner Mutter bewohnte. Unter Verdacht der Hehlerei saß er fünf Tage in Untersuchungshaft, doch dann musste ihm Schuldlosigkeit bestätigt werden. Ganz geklärt wurde der Fall nie.

Er hat ihm immerhin geholfen: „Das war der Auslöser meiner Karriere“, gestand Walter Sedlmayr später in einer Fernsehsendung. „Die nächsten Jahre hab' ich unheimlich viel gespielt und wahnsinnig gearbeitet, um wirklich ein Star zu werden.“ Der wurde er zunächst als Leibkoch des Märchenkönigs Ludwig II., in Syberbergs Film „Theodor Hierneis“. Und seltsam: Auch in vielen späteren Stücken, die ihn in immer schnelleren Folge vor die Kameras von Film- und Fernsehproduktionen brachten, konnte er sich dem Publikum als Koch oder Feinschmecker andienen. Eine Großbrauerei porträtierte ihn auf einem Großposter mit dem Slogan „Ein Bier wie Bayern“. Und ein Mann wie Bayern.

Den Großkopferten Bayerns las der zum Obergrantler avancierte Sedlmayr beim Salvatoranstich auf dem Nockherberg die Leviten. Dabei gab es regelmäßig Krach. Nicht nur mit dem Schreiber der gepfefferten Fastenpredigten, Hannes Burger, dessen Texte er manchmal ganz anders wiedergab. Auch mit etlichen Politikern geriet dieser „Bruder Barnabas“ schnell übers Kreuz.

Bei Film und Fernsehen war Sedlmayr der Parade-Bayer schlechthin und gefragt wie kein anderer Schauspieler. Seine Serien - „Münchner Geschichten“, „Polizeirevier 1“, „Der Schwammerlkönig“, die pfiffigen Reisereportagen und viele Aufzeichnungen - wurden höchste Publikumserfolge; pausenlos stand der Mann vor oder hinter der Kamera. Da musste es natürlich Preise regelrecht regnen; für die beste darstellerische Darstellung bekam er sogar den Deutschen Filmpreis.

Schließlich wurde aus dem Star ein Restaurateur. Sein von besagter Brauerei gepachtetes Wirtshaus „Zum Sedlmayr“ war bald als erste Adresse für die Alt-Münchner Küche angesagt. Ob er denn die Lebensmittel nebenan auf dem Viktualienmarkt besorge, fragte ich ihn einmal. Er hob abwehrend die Hände: „Naa, vui z'teier.“ Bei diesem Besuch fiel mir auf, dass der Schauspieler-Wirt mehrmals dubiose Gestalten  unwirsch abwies oder gar hinauskomplimentierte. Beschäftigt waren übrigens nur Männer.

Bald darauf sollte öffentlich bekannt werden, dass der zeitweise meistbeschäftigte Schauspieler Bayerns, von dessen Homosexualität nur wenige Kollegen wussten, ein zweites Leben führte. Dass er in der verborgenen Halbwelt von Strichern und anderen Dunkelmännern verkehrte. Das wurde ihm zum Verhängnis. Am 14. Juli 1990 wurde Walter Sedlmayr, der Zerrissene, in seiner luxuriösen Wohnung auf brutalste Weise ermordet. Auf dem Richtertisch lagen später seine zertrümmerte Schädeldecke, ein mit Blut getränkter Bademantel und ein zwei Kilo schwerer Hammer, das Tatwerkzeug.

In einem sensationellen Mordprozess wurden sein ehemaliger Ziehsohn und dessen Halbbruder zu lebenslänglicher Haft verurteilt - und später vorzeitig entlassen. Noch ein paar Mal erschien Walter Sedlmayr seinem großen Publikum in mehreren dokumentarischen Filmen.

Über Walter Sedlmayr und andere männliche und weibliche Volksschauspieler und Theaterleute berichtet Karl Stankiewitz in einem demnächst im Gerhard Hess Verlag erscheinenden Buch „Macher, Mörder, Menschenfreunde“.

Veröffentlicht am: 07.01.2016

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Sophie Lunow
08.01.2016 09:33 Uhr

.. immer ein bisschen zu patzig, wohl auch zu hinterfotzig. Dass ihn jedoch eben diese Eigenschaften einmal zum Star machen sollten...Sind es individuelle Eigenschaften oder hat da eine Gesellschaftsschicht Karriere gemacht? Heute sind genau diese so gut umrissenen Kleinbürger in den ersten politischen Reihen zu finden.

Toller Arikel,jenseits der Hymnen und doch die gemäße Würdigung, davon mehr bitte.

MfG

Lunow

Mäck
14.05.2016 22:17 Uhr

Was ein unglaublich schlecht recherchierter Artikel. Da kann ja meine 10-jährige Nichte bessere Aufsätze schreiben. Lausig!

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