Schatzkammer jetzt mit Küche: Im Bayerischen Nationalmuseum zeigt auch das neue Restaurant das Wiederaufblühen des Hauses

von Michael Grill

Neue Gesichter im Nationalmuseum: das Gastro-Team in den umgebauten Räumen. Foto: BNM

Gerade erst ist der Betrieb angelaufen – doch schon jetzt kann man sicher sein: Diesen Ort werden die Münchner lieben! Das neue Restaurant im Bayerischen Nationalmuseum hat alle Zutaten, die in der sinnenfreudigen Landeshauptstadt geschätzt werden: Eine ungewöhnliche, aber prominente Lage, ein historisches, aber frisch herausgeputztes Ambiente, ehrgeizige Betreiber, die offensichtlich ihr kulinarisches Handwerk verstehen, und einen deutlich gehobenen Anspruch, der aber nicht sofort unter Schicki-Micki-Verdacht steht.

Einen eigenen Namen soll es noch bekommen – bei diesem werden derzeit noch Lizenzfragen geklärt. Bis dahin sagt man einfach: das Restaurant im Bayerischen Nationalmuseum (BNM). Das Museum ist größer als die Pinakothek der Moderne und es versammelt wertvollste Kunstwerke aus 15 Jahrhunderten unter seinen vielen Dächern. Trotzdem wird es jetzt erst wieder seinen Weg zum Publikum zurückfinden. Denn seit mehr als 30 Jahren wird das Riesenhaus umgebaut und saniert – inzwischen dürfte der Freistaat einen dreistelligen Millionenbetrag in seine zentrale Schatzkammer investiert haben. Die ewige Baustelle hat sicher auch dazu beigetragen, dass das BNM irgendwann im Vergleich mit anderen Kultureinrichtungen als verstaubt galt. Jetzt nähert sich diese Zeit ihrem Ende – und die Münchner können ihr BNM völlig neu entdecken. Das Restaurant scheint dafür genau die richtigen Perspektiven aufzumachen.

„Für uns geht ein Traum in Erfüllung“, sagte Hermann Zimmerer, der zusammen mit Martin Kolonko die Gastronomie betreibt. Ihre Partner sind die Köche Michael Emmerz und André Wöhner, die beide noch deutlich unter 30 sind und trotzdem schon große Erfahrung in der Spitzengastronomie gesammelt haben. Sie sehnten sich nach einer Chance mit einem eigenen Betrieb – im BNM geht es für sie nun ums Ganze. Die ersten Kostproben aus ihrer Küche deuten darauf hin, dass sie das Maximale herausholen wollen, das gerade noch unterhalb der Ebene von Sterne-Küchen möglich ist.

Das Restaurant hat 64 Sitzplätze und als Mittelpunkt eine fünf Meter lange, aus einem Baum geschnittene Eichentafel, um die herum Wandbilder mit Illustrationen aus dem „Saltzburgischen Kochbuch für Hochfürstliche und andere vornehme Höfe“ von 1718 zu sehen sind – ein Original des historischen Standardwerks ist natürlich im Besitz des Hauses. Ein besonderer Publikumsmagnet verspricht die Terrasse im Garten zu werden: Der Eisbach nicht weit, das P1 um die Ecke, die herrschaftliche Anlage als Kulisse – das wird ein Münchner Leben wie aus dem Bilderbuch.

Von den Öffnungszeiten des Museums ist das Restaurant unabhängig, da es einen eigenen Eingang hat. Wer reserviert, darf sogar auf den eigenen Parkplatz an der Lerchenfeldstraße rollen. Und für Freunde moderner Architektur lohnt sich ein Blick in den jetzt überdachten Taubenhof: Eine freitragende Glas-Stahl-Konstruktion überdacht 225 Quadratmeter.

So wird vom Nationalmuseum in Zukunft noch einiges zu hören und zu schmecken sein. Direktorin Renate Eikelmann lässt erkennen, wo sie die Vorbilder für das Haus sieht: In den Kunst- und Kulturmuseen von London und New York, für die anspruchsvolle Feinschmecker-Lokale zur Grundausstattung gehören.

Restaurant im Bayerischen Nationalmuseum, Prinzregentenstraße 3, Telefon 45224430, Mail info@bnmrestaurant.de. Geöffnet 12 bis 14.30Uhr und 18 bis 20.30 Uhr, Mo geschlossen

Nachtrag (16. März 2011): Auf Bitten den Nationalmuseums korrigieren und ergänzen wir die genannten Öffnungszeiten: Café - Di bis So 10-17 Uhr, Do 10-20 Uhr. Restaurant - Di bis Sa 12-14.30 Uhr und 18 bis 22.30 Uhr

Veröffentlicht am: 13.03.2011

Über den Autor

Michael Grill

Redakteur, Gründer

Michael Grill (1968) ist seit 2010 beim Kulturvollzug.

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Chefkoch
16.03.2011 11:06 Uhr

Da kann man die Köche die dort arbeiten nur beneiden. Das ist ja mal was komplett neues!

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