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Theater

"Brandstifterei" frei nach Max Frisch im TamS-TheaterÜberdrehter Turbo-Aktionismus und ein Riesenspaß

von Gabriella Lorenz am 04.06.2014

Max Frisch schrieb "Biedermann und die Brandstifter" 1958 nach dem antiken Tragödien-Gesetz der unausweichlichen Katastrophe und untertitelte es als "Lehrstück ohne Lehre". Weil der Mensch nie was dazulernt. Deshalb fällt auch der Kapitalist Biedermann, der gerade gnadenlos seinen Kompagnon in den Selbstmord getrieben hat, auf die beiden obdachlosen Ex-Knackis rein, die er auf seinem Speicher übernachten lässt. Obwohl das Muster in der Stadt bekannt ist: Josef und Willi nisten sich mit einer Mitleidstour ein und bereiten in Ruhe den nächsten Brand vor.     » weiterlesen


Zum Tod des großen Rolf Boysen"Die Sprache ist das Einzige, woran ich überhaupt glaube!"

von Michael Grill am 21.05.2014

Rolf Boysen starb am 16. Mai 2014 im Alter von 94 Jahren in München. Er war einer der größten deutschen Schauspieler und für München schon zu Lebzeiten eine Theater-Legende. Münchens neuer Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) würdigte Boysen wie folgt (SZ-Anzeige vom 21. Mai 2014): "Der Münchner Theatergemeinde hat er mit seiner Darstellungskunst viele unvergessliche Stunden geschenkt." Der Kulturvollzug erinnert daran, was für ein faszinierender Mensch von Kultur und Geist Boysen auch jenseits der großen Schauspielrollen gewesen ist. Äußerst beliebt beim Publikum waren seine Lesungen großer literarischer Stoffe. Wir veröffentlichen im Gedenken an Rolf Boysen ein Interview, das erstmals am 6. November 2008 in der Münchner Abendzeitung erschienen war, vor Boysens Lesung aus Vergils "Aeneis" im Prinzregententheater.     » weiterlesen


"Die Zofen" von Jean Genet in den KammerspielenSchlichtweg zu viel Artifizialität

von Gabriella Lorenz am 19.05.2014

Es beginnt wie ein expressionistischer Stummfilm: Zwei Frauen in Großaufnahme, eine raucht und bläst mit einem Strohhalm ihren ausgeatmeten Rauch in den Mund der anderen. Ein starkes Bild für die symbiotische Abhängigkeit von Claire und Solange, die sich gegenseitig mit Selbstekel und Verachtung vergiften. In den Kammerspielen inszenierte Stefan Pucher „Die Zofen“ von Jean Genet als hochstilisierte, von Bildern überfrachtete  Kunstwelt. Brigitte Hobmeier, Annette Paulmann und Wiebke Puls wurden zu Recht bejubelt, ein vereinzeltes, lautes Buh für den Regisseur sprach aber Manchem aus der Seele.     » weiterlesen


Interview mit Brigitte Hobmeier, Annette Paulmann und Wiebke PulsDrei Zofen für ein Halleluja

von Gabriella Lorenz am 18.05.2014

Die Doppeldeutigkeit des französischen Titels „Les bonnes“ ist eine feine Perfidie des Autors Jean Genet. Im Deutschen heißt das Drei-Personenstück „Die Zofen“, aber „les bonnes“ bedeutet auch „die Guten“. Gut im Sinne der Moral sind die Dienstmädchen Claire und Solange kaum: Die Schwestern proben im Rollenspiel, ihre Herrin umzubringen. Genet wurde in seiner kriminellen Karriere nach eigener Aussage nur deshalb kein Mörder, weil er seine Morde in seinen Stücken verwirklichte. „Die Zofen“ wurden 1947 in Paris uraufgeführt, an den Münchner Kammerspielen waren sie 1958 und 1979 zu sehen. Nun inszeniert Stefan Pucher sie hier zum dritten Mal, mit Brigitte Hobmeier als Claire, Annette Paulmann als Solange und Wiebke Puls als gnädiger Frau.     » weiterlesen


"Sommertag" von Nikolaus Brass im Schwere Reiter bei der BiennaleHin- und hergerissen von der ersten Oper im Herbst des Lebens

von Alexander Strauch am 16.05.2014

Am Mittwoch (16.5.14) fand im Schwere Reiter anlässlich der diesjährigen Opern-Biennale die Dernière der ersten Oper „Sommertag“ des 64-jährigen Münchner Komponisten Nikolaus Brass statt. Nachdem die Premiere mit dem Vorwurf einiger Längen in der Öffentlichkeit registriert worden war, war es um so interessanter zu erleben, wie sich das Stück nach seinem kurzen Aufführungszyklus jetzt präsentieren würde. Nach der wohl ausverkauften Voraufführung und Premiere war der Saal jetzt nur halbvoll. So konnte man sich bequem im Raum verteilen, was einigen im weiteren Verlauf der Aufführung noch zum Nachteil geraten sollte.     » weiterlesen


Kabarettist Hagen Rether im Deutschen TheaterIn Wut ergraut

von Eveline Kubitz am 15.05.2014

Das erste, das einem auffällt im neuen alten Deutschen Theater: Die Sitze sind so weich und bequem. Das letzte, das man denkt bevor man – nach dreieinhalb Stunden – geht, nein, entlassen wird: Wieso sind die Sitze eigentlich so hart? Kabarettist und Gesellschaftsstudierender Hagen Rether fesselt das Publikum mit Charisma und klugem Witz, um es dann zu fordern, zu provozieren und – zu beschenken.     » weiterlesen


Biennale mit Henze/Liebrecht in der Philharmonie und Vivier in der ReaktorhalleMünchner Leidenschaften – Sankt Sebastian in Konzert und Musiktheater

von Alexander Strauch am 14.05.2014

Langsam begreift man, was das Motto „Ausser Kontrolle“ gemeint haben könnte: Zum Auftakt der Biennale hatte sich in Marko Nikodijevics Oper „Vivier“ die Titelfigur Claude Vivier heftig in eine Imagination verliebt, den heiligen Sebastian. Im Sonderkonzert der Münchner Philharmoniker, zu Ehren des 2012 verstorbenen Biennale-Gründers Hans-Werner Henze, erklang dessen Spätwerk, „Sebastian im Traum“, eine Reflexion, frei nach Georg Trakl, über einen klassisch morbiden Salzburgaufenthalt. Jobst Liebrechts "Nebelheim und Sonnenland", Hans Werner Henzes siebte Sinfonie und noch einmal Musiktheater von Claude Vivier selbst, "Kopernikus, Ritual-Oper über den Tod", deuteten auf einen thematischen Gesamtentwurf.     » weiterlesen


"Sketches/Notebook" von Meg Stuart in der Spielhalle der KammerspieleWas für ein hyperaktiver Unsinn

von Gabriella Lorenz am 12.05.2014

Da wurde der Aufführungsort beim Namen genommen: Die Choreografin Meg Stuart machte die Spielhalle zur Spielwiese eines hyperaktiven Kindergartens. Ihre  jüngste Produktion, „Sketches/ Notebook“, uraufgeführt 2013 in Berlin, eröffnete das „Relations“-Möchtegern-Festival der Kammerspiele mit drei Tanztheater-Gastspielen.     » weiterlesen


Oper "Vastation-Wüstung" von Samy Moussa bei der BiennaleMilizen, Miezen und Matritzen

von Alexander Strauch am 11.05.2014

„Eine Melodie soll dein Führer sein“, gab am Mittwoch (7.5.2014) anlässlich der Eröffnungs-Oper der 13. Musiktheater-Biennale ein Zen-Meister noch in Marko Nikodijevics Oper der Titelfigur Claude Vivier mit auf den Weg. Und in der Tat beherzigte dies auch Nikodijevic, fand im eigenem Herzen und in Vorbildern Anregungen, wie er zwischen Worten und Sound seinen persönlichen Weg finden würde. Denn seit Opern-Urvater Monteverdi finden so die Protagonisten wie der Komponist zu sich selbst.     » weiterlesen


„Vivier“ von Marko Nikodijevic eröffnet die OpernbiennalePanoptikum der Wiedergänger

von Alexander Strauch am 09.05.2014

Wo man den Premierenabend in der Muffathalle auch hinschaute, überall sah man Menschen als Wiedergänger. Als zur Premierenfeier der städtische Kulturreferent Hans-Georg Küppers dem scheidenden Intendanten Peter Ruzicka für die langjährige erfolgreiche Leitung der Biennale dankte, sah man unter den Gästen mit Manos Tsangaris auch einen seiner beiden Nachfolger. Bevor der Abend begann, glaubte man im Orchestergraben am Horn den Wiedergänger des kürzlich verstorbenen Berliner Komponisten Friedrich Schenker zu erkennen, seinerseits Posaunist.     » weiterlesen


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