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Viertel

Zur Geschichte des vor 40 Jahren eröffneten Klinikums GroßhadernEine Stadt der Medizinkultur

von Karl Stankiewitz am 27.09.2014

Am selben Tag des Jahres 2009, als sein Zwillingsbruder Michael im Klinikum Großhadern operiert wurde, erfuhr Uli Roth, dass auch er Prostatakrebs hat. Beide waren 47 Jahre alt und sehr erfolgreiche Handballer. Beide gelten heute – fünf Jahre danach, wie es die Regel bestimmt - als geheilt. Sie haben ihre Krankengeschichte in einem Buch und im Fernsehen berichtet, um Männer zur Vorsorgeuntersuchung anzuregen. Sie fühlen sich heute so fit wie früher. Michael Roth ist Trainer der Handballmannschaft MT Melsungen, Toni Roth managt die Rockgruppe Pur, die ein SOS-Kinderdorf in Nigeria unterstützt. Am 20. September leitete eine Diskussion mit den Zwillingen einen ganztägige Krebs-Informationstag in Großhadern ein. Die große Klinik am Westrand von München feiert derzeit die „Teilinbetriebnahme“ durch Kultusminister Hans Maier vor 40 Jahren.     » weiterlesen


Anna Winde-Hertling ist "Kassettenmädchen" im Pathos TransportAuf der Suche nach der verlorenen analogen Zeit

von Michael Wüst am 26.09.2014

Im fluffigen Chaos eines Puffy-Teenie-Zimmers mit annähernd 99 Luftballons, 1000 Kassetten, gegen unendlich gehenden Haargummis, gebeamter Orange-Couch, nebst leergetrunkenen Augustinerkästen, spielt, tanzt, hadert mit fettem Arsch, saugt Staub, findet sich kurz sexy, dann wieder nicht, hat Liebeskummer und trinkt Wodka bei einem Strippoker mit einer Alfpuppe: „Das Kassettenmädchen“. Anna Winde-Hertling hechelt sich im Pathos Transport an der Dachauer Straße in einem Solo durch musikalische Sozialisationen von der Pubertät bis zur Weltreise der Ratlosigkeit.     » weiterlesen


"Auch Insekten essen Kuchen" im HeadeggHornissenflügel in Bronze, Kastenkuchen aus Bitumen

von Michael Wüst am 22.09.2014

Goodbye Headegg! Die drei charmanten Kioske an der Trogerstraße 19 im Münchner Osten werden nach der aktuellen Ausstellung „Auch Insekten essen Kuchen“ schließen. Das ungewöhnliche Kunst-Triple wurde 2009 von Fotograf Hubertus Hamm ursprünglich als Schaufenster-Galerie gegründet, konnte dann 2013 richtig geöffnet werden, die Räume wurden begehbar. Die Füße der Besucher folgten den Augen, die Sache bekam einen Körper. Nach insgesamt 20 Ausstellungen und viel Beachtung, gerade innerhalb der letzten zwei Jahre, nun leider das Ende an diesem Ort. Aber Idee und Konzept in Händen von Förderer Hubertus Hamm und Kuratorin Lea Grebe scheinen weiterhin so lebendig, dass wir Hoffnung auf ein Wiedersehen haben. Da machen wir uns mal keinen Kopf!     » weiterlesen


Junge israelische Kunst auf der PraterinselStarke Frauen zeigen viel Tel Aviv und wenig Jerusalem

von kulturvollzug am 13.09.2014

Über ein Jahr lang haben die israelische Kuratorin Lee-More Kohen und die Münchner Ausstellungsleiterin Marlène Sternbaum ihr komplexes Unterfangen vorangetrieben. Das Resultat ist nun zu sehen: 285 israelische Künstler zeigen 1005 Werke in Art Works, einer Verkaufsausstellung der Superlative. Zollgewölbe, Füllhalle und Orangerie der Praterinsel sind randvoll mit Gemälden, Fotografien, Skulpturen, Plastiken und Installationen. Klares Ziel ist es, den Bekanntheitsgrad von Israels üppiger Kunstszene zu steigern und einen Absatzmarkt zu schaffen. Die Initiatorinnen konnten bei der Planung natürlich noch nicht ahnen, dass ihre Ausstellung mitten in eine hochexplosive Nah-Ost Lage hineinfallen würde.     » weiterlesen


"Allsympathien" in der Milchstraße 4Sie wollen uns erzählen, in der schönsten Nische

von Michael Wüst am 27.08.2014

Schon von Weitem war in der Milchstraße in Haidhausen eine Menschentraube zu sehen, vor dem Ausstellungsraum, der viel zu klein war, die Leute zu fassen. Man ging also einzeln und respektvoll hinein, die Objekte behielten ihre Aura, sich in Stille zu entfalten. Phillip Messner, der bei Michelangelo Pistoletto in Wien studiert hat und Nick Bötticher, Meisterschüler des hiesigen Olaf Metzel, haben das liebenswürdige Projekt mit acht Kollegen initiiert.     » weiterlesen


Sigi Zimmerschied mit „Multiple Lois“ im Theater FraunhoferPoesie vor die Säue

von Michael Wüst am 25.08.2014

Erst schaut nur der Kopf herein, von rechts auf die Bühne. Dann folgt leicht skeptisch der Körper und dreht dem Publikum erst einmal den Rücken zu. Inspektion! Besonders in den Ecken, wo sich der Dreck versteckt, die toten Fliegen. Der Tuberkel. Zimmerschied ist Lois, der Multiple, der Vervielfältigte, der diesen Raum, die Bühne im Fraunhofer, vermietet. Er, der sich und seine Figuren seit 40 Jahren erfindet, kennt diesen Raum und den Dreck in unseren Köpfen. Die Bühne ist das Bewusstsein des Publikums.     » weiterlesen


Ausstellung "Between apple and the plate" von Bianca Regl im HeadeggBilder, die uns gelassen verschmähen

von Michael Wüst am 23.08.2014

Abgetragenes Dekor, Zeugnisse von Lebenshaushalten, Tapeten, Brokat, Faltenwürfe. Die österreichische Malerin Bianca Regl zeigt in den drei liebenswürdigen Kiosken der Galerie Headegg noch bis zum 4. September 2014 Arbeiten aus den Serien „Folds“, „Stucco“ und „Wallpapers“. Was auf den ersten Blick manchem nur als dekorativ erscheinen mag, erweist sich alsbald in der Stille als gesprächig, raunend. Leise sprechend von untergangener Häuslichkeit, als übriggebliebene Gestaltung von verschwundenen Räumen.     » weiterlesen


Stephanie Lottermoser beim Munich Jazz Summer in der UnterfahrtSie hat die Siebenmeilenstiefel an

von Michael Wüst am 17.08.2014

Mit ihrem Hit „Step Ahead“ von der aktuellen CD „Good Soul“ hatte sie bereits letztes Jahr einen großen Schritt nach vorn gemacht. Nun erleben wir Stephanie Lottermoser mit Band in leicht variierter Besetzung an fünf ausverkauften Tagen in der Unterfahrt mit musikalischen Riesenschritten. Und nach der letzten Vorstellung ist sie schon auf dem Sprung ins Studio zur nächsten Produktion. Bekräftigt dies unter anderem mit ihrer Version von „These Boots Are Made For Walking“.     » weiterlesen


"Die letzten Tage der Menschheit" von Karl Kraus im Café RingelnatzVon Fleischfliegen und Hauptdefaitisten

von Michael Wüst am 03.08.2014

Auf letzte Tage der Menschheit zu setzen, ist nie verkehrt, zumal in diesem Jahr, 100 Jahre nach dem Beginn des ersten Weltkriegs, das allein schon aus Gründen der Feierlichkeit. Aber Karl Kraus´ monumentales, nach eigener Aussage unspielbares Stück „Die letzten Tage der Menschheit“, ist viel mehr als eine wohlfeil passende Pazifismusgeste in diesen Tagen, da sich das Unbehagen in der Kultur wiederum in den quälend gleichen Emanationen der Stupidität Bahn bricht, entblödet. Es ist vor allem und zunächst der heroische Kampf des Sprachpuristen, des Publizisten gegen die Lügen der Journaille, gegen den Krieg der Worte. Jo Vossenkuhl und seine Vorleser Sabine und Christof Wackernagel und Henk Flemming wurden mit einem Bruchstück aus fünf  Akten, in denen Kraus fünf Kriegsjahren folgte, dem Monument gerecht. Eine immer noch fast zweistündige Lesung, im Schwabinger Café Ringelnatz.     » weiterlesen


Zur Hagelkatastrophe vor 30 JahrenMünchner Sommernachtsalbtraum - die Eisbomben von 1984

von Karl Stankiewitz am 12.07.2014

Der Himmel des 12. Juli 1984 strahlt über Bayerns Hauptstad so blau und so klar wie in den ungewöhnlich warmen Tagen zuvor. Satellitenaufnahmen zeigen bis 17 Uhr keinerlei Wolkenbildung, danach aber ein plötzliches Hochschießen zweier Gewittersysteme über dem Bodensee. Eines davon bildet bereits Hagel und bewegt sich – fast schon wie 40 Jahre zuvor die alliierten Bomber-Schwärme - über den Ammersee nach München. Karl Stankiewitz erinnert sich.     » weiterlesen


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